30 Jahr meines Lebens

Ich hatte gestern ein kleines Jubiläum.

Seit dreisig Jahren schreibe ich Tagebuch. Natürlich nicht täglich sondern nur, wenn ich Lust hatte oder einfach den Drang hatte meine Gedanken loswerden zu müssen. Die Geschichten aus meinem Leben haben fast 17 Bücher gefüllt. Meist sind es sehr traurige Ereignisse gewesen, die mich dazu gebracht haben, meine Gedanken in Bücher zu kotzen. Endteuschungen, Liebeskummer, Scheitern und was Teenagern so alles das Leben zur Hölle macht. In Späteren Jahren war es nicht anders. Immer, wenn ich nicht mehr weiter wußte, griff ich zum Stift und schrieb meine Überlegungen zu bestimmten Themen nieder, um mir dadurch mehr Klarheit zu verschaffen und einen besseren Überblick zu bekommen. Manchmal wollte ich einfach auch niederschreiben, was ich in dieser Situation empfunden habe, um ein paar Tage später festzustellen, daß sie mit ein wenig Zeit Abstand ganz anders geworden ist.

Aber es gibt natürlich auch gute Dinge, die ich für mich festhalten wollte. Wenn ich mich Verleibt war, als ich bestimmte Ziele in meinem Leben erreichte oder mein 3 monatiger Trip durch die USA und natürlich die Geburt meiner Kinder. Alles wunderbare Erinnerungen, die ich mir sehr gerne immer wieder vor Augen führe, um nachzuempfinden was alles in mir vorgegangen ist. Schließlich bleibt von Vielem einfach nur das Gefühl in der Erinnerung  erhalten. Die tatsächlichen Einzelheiten verwischen mit der Zeit und gingen verloren, hätte ich sie nicht aufgeschrieben.

Beim Durchblättern durch all meine Tagebücher habe ich allerdings auch zwei andere Dinge festgestellt:

  1. Es gibt jede Menge Lücken in meinem Leben die ich nicht festgehalten habe. ZB.: während meiner Scheidung fehlt so viel, was mich so verletzt hat, daß ich es nicht aufschreiben konnte. Oder mein Leben plätscherte dahin ohne nennenswerte Ereignisse. Arbeit – schlafen – fernsehschauen. Graue Zeit ohne Höhepunkte und Glück.
  2. Vieles, was mir in dem Augenblick in dem ich schrieb wichtig war ist aus heutiger Sicht belangloser Blödsinn. Die wichtigen Dinge die damals politisch und gesellschaftlich in der Welt passierten habe ich mir nicht aufgeschrieben. Nicht weil ich vielleicht keine Meinung dazu hatte. Ganz bestimmt nicht. Vielleicht weil sie für mich in meiner Situation einfach nicht wirklich so wichtig waren.
  3. Es gab eine Zeit in der ich bei einem Tagebuchschreibprojekt mit gemacht habe. Währenddessen habe ich wirklich einen Monat täglich meinen Tag erzählt und mir Gedanken über den jeweiligen Impuls des Tages gemacht. Es war interessant zu erleben wie dieser kleine Anstoß wirkte und immer wieder ganz unerwartete Gedanken hervor holte. Vielleicht muß man sich einfach öfter zwingen.

Meine Tagebücher sind mein großer Schatz. Sie halten mein Innerstes für mich in Gewarsam. Sie sind vielleicht die einzigen, die wissen wer und wie ich wirklich bin. Ohne Maske ohne Theater. Ehrlich. Ungeschönt. Verletzbar.

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